Was ist Integration und was können wir tun?

Im August habe ich, bassierend auf einem Gespräch mit einem Bewohner, zu einer Blogparade aufgerufen, in der ich die Frage in den Raum warf, was Integration von Menschen mit Behinderung für den Einzelnen bedeutet und was man da so machen könnte. Nun ist es an der Zeit, dazu eine kleine Zusammenfassung zu schreiben.

Was ist eigentlich Integration?

Wikipedia definiert Integration in vielerlei hinsicht. Aus soziologischer Sicht wird darunter allerdings folgendes verstanden:

soziale Einbeziehung bisher ausgeschlossener Individuen oder Gruppen

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Integration

Also heißt das so viel wie, ich habe eine Ausgegrenzte Gruppe oder einen Menschen der aufgrund seiner Behinderung ausgegrenzt wird. Und diesen lasse ich nicht mehr alleine irgendwo vor sich hinvegitieren, sondern lasse diesen in die Gesellschaft mit rein. Dieser muss dann aber, gewisse Punkte erfüllen um ins System zu passen. Aber was ist dann eigentlich der Unterschied zu Inklusion? Ist das nicht eigentlich das selbe? Wird doch oft genug von Integration und Inklusion gesprochen….

Integration und Inklusion, wo ist da der Unterschied?

Oft wird mit Integration auch die Inklusion in Verbindung gebracht. Manchmal, muss ich zugeben, verursachen beide Worte auch bei mir einen gewissen Gehirnknoten. Letztlich läuft es auf ein und das selbe hinaus.

Integration meint also die Eingliederung bzw. Einbeziehen in das Bereits bestehende System. Inklusion ist dann die darauf folgende Stufe, des eingebuden seins. Kurz um. Eigentlich kann man Integration als Vorstufe zu Inklusion sehen. Ich versuche jemanden in eine Gruppe zu Integrieren, gelingt diese Integration ist die Person in der Gruppe eingebuden und gehört dazu, sobald derjenige dazu gehört, sprechen wir also von Inklusion.

Was passiert?

Schauen wir uns mal ein bisschen um. Was gibt es denn bereits? Hinsichtlich der Integration von Menschen mit einem Handiecap?

Das erste was mir einfällt, sind die Zahlreichen Wohnheime, die inzwischen mehr und mehr in richtung zentrale Lage gehen, weg von dezentraliesiert und abgeschottet, irgendwo in der Pampa.

Weiter geht es mit ambulant betreutem Wohnen, wo Menschen mit Handicap in ihrer eigenen Wohnung leben und je nach Bedarf ein Mobieler Dienst vorbei kommt. Je nach Hilfebedarf kommt dieser dann zu Pflegerischen Maßnahmen und/oder zur Alltagsbewältigung/Alltagsgestaltung und Freizeitgestaltung vorbei.

Dann gäbe es da noch die Werkstätten, die Menschen mit Behinderung, in einem geschützten Rahmen, einen gesicherten Arbeitsplatz bieten. Darüber hinaus gibt es außerdem, Eingliederungsmanagement in Betrieben auf dem ersten Arbeitsmarkt, die es Mitarbeitern, die auf Grund einer Erkrankung oder eines Unfalles länger ausgefallen sind, ermöglichen soll, wieder in ihren Job einzusteigen.

Bewegen wir uns in Richtung Kinder und Jugend, finden sich zahlreiche Schulen, Kindergärten und Wohneinrichtungen für dieses Klientel.

Klingt alles super. Oder? Natürlich spielt sich das alles irgendwo in der Gesellschaft ab. Irgendwie werden die da schon mit einbezogen. Irgendwie spielen sie schon eine Rolle in der Gesellschaft. Aber denken wir mal näher darüber nach….

Wirklich Integration?

Wie schon gesagt, es klingt alles ganz prima. Es gibt unterschiedliche Wohnformen für beeinträchtigte Menschen, je nach schwere der Einschränkung. Es gibt was, wo sie zum arbeiten gehen können. Es gibt Schulen. Es gibt Kindergärten. Ist das auch irgendwie, mit in das System eingebaut.

Aber denkt man mal genauer darüber nach, dann sind diejenigen, die sich in diesem System befinden, irgendwie doch wieder separiert. Geht man vom Normalprogramm aus, befinden sich in den Schulen NUR beeinträchtigte Menschen. Auch im Kindergarten sieht es nicht anders aus. In der Arbeit? Nun ja, da rennen zwar auch nicht Behinderte Mitarbeiter rum, die die beeinträchtigten unterstützen. Aber im großen und ganzen, ist auch dort erkennbar, dass die dort Beschäftigten eher unter sich sind.

Was ich damit sagen möchte ist, dass es meiner Meinung nach nicht von Integration sprechen kann, wenn man zwar das Gebäude zentral setzt, aber die Gruppe an Menschen doch irgendwie unter sich ist. Und keine Vermischung mit anderen Gruppierungen, stattfindet. Denn meiner Meinung nach, ist wesentlicher Bestandteil der Integration, dass eine Gruppierung, die Ursprünglich „ausgegrenzt“ war, mit den bestehenden Gruppen einer Gesellschaft vermischt wird.

Gute Ansätze, aber funktioniert die Umsetzung?

Im großen und ganzen will ich behaupten, gibt es gute Ansätze. Kinder mit Behinderung dürfen in einen normalen Kindergarten oder in eine Regelschule gehen. Es gibt Integrationsklassen, in denen alle zusammen lernen. Prima. Gute Idee. Der Ansatz ist gut, es hapert aber gewaltig an der Umsetzung.

Zu wenig Fachpersonal hinsichtlich Sonderschulpädagogik. Reguläre Lehrkräfte, die nicht darauf geschult wurden, auch Kinder mit einer geistigen Behinderung zu unterrichten. Gebäude die nicht darauf ausgelegt sind, dass ein Mensch mit einer Gehbehinderung (was ja nicht immer zwingend heißen muss, dass dessen geistigen Fähigkeiten deswegen eingeschränkt sind, aber gerne so pauschalisiert wird) in das Klassenzimmer im dritten Stock kommt.

Wohntechnisch sieht es beinahe ähnlich düster aus. Schon mal den üblichen Wohnraum angeschaut? Legen wir das mal auf jemanden um, der NUR im Rollstuhl sitzt. Wohnung im fünften Stock, nur über Treppen zu erreichen. Wie kommt jemand, der nicht laufen kann, ohne Aufzug, da nun hin? Richtig, garnicht.

Weiter geht es häufig damit, dass die Wohnung an sich zu eng geschnitten ist. Zu schmale Fluren, zu kleine Räume, Schwellen und Stufen in der Wohnung, nicht Ebenerdig. Sich mit dem Rollstuhl dort zu bewegen, grenzt dann beinahe an ein Wunder. Selbst bei den Sanitäranalgen muss bei einer Handelsüblichen Dusche, erst eine Schwelle Überwunden werden, um in die Duschwanne zu kommen. Herzlichen Glückwunsch. Und selbst wenn die Wohnung geeignet wäre, muss der Vermieter die toleranz besitzen einen Menschen im Rollstuhl aufzunehmen.

Wie ist das jetzt mit der Arbeit so?

Man neigt gerne dazu zu Pauschalisieren. Sitzt jemand im Rollstuhl, hat dieser sozusagen den Üblichen Weg zu gehen. Sonderschule, Wohnheim, beschützende Werkstatt. Automatisch geht man davon aus, derjenige der im Rollstuhl sitzt, hat automatisch, seine geistige Leistungsfähigkeit und seinen IQ, beim Kauf des Rollstuhls, abgeben.

Also kann der gar nicht irgendwo „normal“ arbeiten. Auch wenn das Gegenüber, aufgrund eines Autounfalls eine Querschnittslähmung erlitt, und aufgrund dessen im Rollstuhl landete.

Betriebe sind im Grunde dazu angehalten, einen bestimmtne Prozentsatzt an Menschen mit Behinderung zu beschäftigen. Tun sie dies nicht, drohen Strafen. Um diese Strafen zu umgehen, gleichzeitig aber auch keinen Mitarbeiter mit einer Beeinträchtigung zu beschäftigen, werden Produktionsprozesse in eine Behindertenwerkstatt auslagern. Heißt so viel wie, keine Strafe, weniger Lager- und Produktionskosten, keine Kosten für einen Mitarbeiter mit Behinderung.

Aber selbst wenn es doch dazu kommt, dass ein Mitarbeiter mit Beeinträchtigung auf dem 1. Arbeitsmarkt landet, hapert es oft an Baulichen gegebenheiten, um diesen überhaupt an den Arbeitsplatz zu verfrachten. Selbiges wie beim Thema Schule. Dritter Stock, gehbehindert, kein Aufzug. Funktioniert nicht.

Bewegt man sich dann noch in Richtung betriebliches Eingliederungsmanagement und schaut sich dazu diverse wissenschaftliche Auswertung an, stellt man irgendwann folgendes Fest: Betriebliches Eingliederungsmanagement ist seit 2004 gesetzlich verankert. Ist ein Mitarbeiter länger als 6 Wochen, ununterbrochen oder über ein gesamtes Jahr verteilt, krank, hat er Anspruch darauf, in den Betrieb wieder eingegliedert zu werdne. Mit dem Hintergedanken, die Gesundheit und Leistungsfähigkeit langfristig zu erhalten. Selbst wenn das Bedeutet das entsprechend der Arbeitsplatz umgestaltet werden muss, oder eine ander Aufgabe zugeteilt wird.

Allerdings wurde nie konkret festgehalten, wie genau eine Wiedereingliederung stattzufinden hat, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen und in welcher Abfolge es passieren soll. Betriebe sehen sich hier, häufig damit überfordert wie genau eine solche Maßnahme also umgesetzt werden soll. Kurzum wurde ein Gesetzt, mit einem guten Hintergedanken, in den Raum geworfen, ohne sich genauer Gedanken darüber zu machen, wie genau es überhaupt umsetzbar und umzusetzten ist.

Selbst hier kommt man in manchen Fällen an den Punkt, an dem BEM, auch nach allen Behmühungen, nicht umsetzbar ist. Weil es an der entsprechenden Struktur oder an baulichen Gegebenheiten, im Betrieb, fehlt. Allerdings liegt es nicht nur daran. Fehlende Akzeptanz und Stigmatisierung gegenüber BEM, gehören beinahe genau so zu den Problemen der BEM, wie andere Faktoren das Gelingen positiv aber auch negativ beeinflussen.

Wie sinnvoll ist es eigentlich für die Betroffenen selbst?

Schauen wir uns mal in anderen Ländern um. Menschen mit Behinderung werden vollkommen und als ganzes in der Gesellschaft mit eingebaut. Sie wohnen dort. Sie gehen ganz normal auf dem 1. Arbeitsmarkt arbeiten. Eine Werkstatt in dem Sinne gibt es nicht. Diejenigen, denen aufgrund der schwere ihrer Behinderung, keine „Normale“ arbeit möglich ist, werden in einer Art Fördergruppe betreut.

Klingt gut oder? Verkehrt ist es nicht. Aber ist es für die Betroffenen wirklich immer das beste oder sinnvollste? Begutachtet man mal den Verlauf der Zeit, muss alles immer schneller und immer besser werden. Der Mensch muss immer mehr leisten und ist einem gewissen Druck, Konkurenzkampf und -denken, Überlebenskampf und Stress ausgesetzt. Selbst ein „normaler“ Mensch ist diesem Druck nicht immer gewachsen. Bumms, Erschöpfungsdepression, Burnout. Glückwunsch.

Sind wir mal ehrlich, wenn der „normalo“ das schon nicht immer aushält, wie soll das dann der typische Werkstattfall aushalten und schaffen? Wobei man hier natürlich vom Einzelfall ausgehen muss. Behindert ist nicht gleich behindert. Ein kleines Beispiel:

Bewohnerin x, 35 Jahre alt, körperlich stark beeintächtigt, sitzt im Rollstuhl und braucht in jeder Lebenslage unterstützung von außen. Kognitiv ist sie jedoch sehr fit, kann ihre Wünsche adequat äußern, weiß was sie will, ist recht wortgewand und versteht alles. Dennoch ist ihre Belastbarkat körperlich als auch psychisch nicht sehr hoch, reagiert daher auf zu hohe Stressanforderungen mit Tränenreichen ausbrüche, da auf Grund der vorhanden Intelligenzminderung (die nicht sehr stark ausgeprägt ist) keine andere adequate Lösung gefunden werden kann. Meiner Meinung nach, wäre sie, mit einem Arbeitsplatz außerhalb der Werkstatt, der ihr nicht den geschützten Rahmen mit relativ wenig Stress und Druck bietet, völlig überfordert. Und würde sie schneller in eine Überforderung stürzen, als einem lieb ist. Zudem äußert sie selbst, dies nicht zu wollen, da sie sich dem Druck und den Anforderung da draußen nicht gewachsen fühlt.

Dies ist jetzt nur eines von vielen Beispielen. Was jedoch, meiner Meinung nach, nciht auf jeden zutrifft. Gibt es durchaus auch Bewohner, die eine höhere Belastbarkeit aufweisen und durchaus in der Lage wären, Stundenweise bsp.weise als Teilzeitkraft bestimmte Tätigkeiten auszuführen.

Wie heißt es so schön….man muss den Einzelfall bearbeiten und auf den Einzelnen und nicht pauschalisiert auf alle eingehen.Gibt es auch genügend die auf Teufel komm raus nicht in eine beschützende Werkstatt wollen. Vorurteile gegenüber dieser haben. Was allerdings wiederum ein anderes Thema ist.

Fazit

Meiner Meinung nach, gibt es viele gute Ansätze. Die allerdings teilweise einfach in den Raum geschmissen wurden ohne daran zu denken wie es eigentlich umgesetzt werden kann oder soll. In vielen Punkten müsste man eher darauf gehen, wie der Einzelfall aussieht ohen zu pauschalisieren oder zu stigmatisieren.

In erster Linie müsste sich, als erster Schritt, etwas in den Köpfen der Gesellschaft tun. Eine gewissen Akzeptanz gegenüber der Gruppe „Menschen mit Behinderung“. Ein Umdenken in Richtung „der gehört dazu“ anstatt ein poa gugg mal der is Behindert!

Wer hat denn eigentlich alles mitgeamcht?

Anne Nühm

Lan Di

und

DeutscheMuslima-dotcom

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