Auf neuen Wegen 2

Die erste Woche auf neuen Wegen habe ich inzwischen schon, fast, gemeistert. Würde man nicht glauben, ist aber so. Es erscheint mir gerade alles gar nicht so schlimm, wie ich es anfänglich eigentlich dachte. Aber ich wills lieber nicht verschreien. Kenn ich mich zu gut um zu wissen, dass früher oder auch später, irgendwann, in ferner Zukunft, der Meckerchor zu singen anfängt.

Die ersten Tage in der neuen WG habe ich doch tatsächlich, unbeschadet, überstanden. Wobei ich mich zeitweise doch etwas wundern muss. Obwohl ich durchaus ein Befürworter davon bin, Sachen selber zu machen, um sie zu lernen, geht manches doch etwas schnell.

Getreu dem Motto, du bist ne Fachkraft, du hast es einmal gesehen, mach. Was dazu führ, dass ich manchaml da stehe wie der Ochs vorm Berg. Verwirrt über manch Wiedersprüchliche Aussagen von ein und der selben Person.  Vermutlich muss ich demnächst doch noch Kilometergeld beantragen, mit der Begründung „Fachkraft muss nachfragen“. Oder so ähnlich.

Ehrlich gesagt mag ich kein kaltes Wasser und bin der völlige Warmduscher. Das scheint aber dort keinen so wirklich zu interessieren und ich werde einfach ins kalte Wasser geschmissen. Manchmal stehe ich auch nur rum und werde stehen gelassen. Das wiederum führt dazu, dass ich mich frage warum ich eigentlich da bin. Scheinbar braucht man mich gar nicht. So fühlt es sich zumindest manchmal an.

An und für sich ist es schon okay. Ich dachte es wird schlimmer. Die Kollegen kann ich schlecht einschätzen. Die Bewohner sind alle sehr nett und auch bemüht. Wollen sehr viel wissen und quatschen mich manchmal einfach platt. Vorallem einer. Aber ich verstehe ihn immer sehr schlecht, da er sehr verwaschen spricht.

In Momenten der Ruhe, die die letzten Tage doch recht oft vorkamen, befällt mich oft eine ziemliche Wehmut. Vermisse ich meine alte WG. Vermisse den Trubel. Vermisse die Hecktik. Vermisse den Lärmpegel. Vermisse den Stress. Vermisse ich einfach alles. Ganz besonders die Bewohner und die tollen Kollegen.

Und die Tatsache, dass ich mich einfach ausgekannt habe. Wusste was zu tun ist. Immer Arbeit gefunden habe. Egal auf welchem Weg. Es gab immer was. Häufige Phasen des nix tuns gab es nicht. Ich wusste alles. Naja. Alles ist übetrieben, aber viel. Und mir fehlt es einfach, zu wissen was zu tun ist. Blödes rumstehen gabs einfach nicht.

Immer wieder wünsche ich mich zurück. Wünsche mir, dass doch noch ein Wunder passiert und ich aus der Momentanen Situation wieder rauskomme. Hätte nie gedacht, dass ich das jemals denken würde, aber ich will zurück in mein gewohntes Umfeld. Wie oft habe ich mir nur, innerhalb einer Woche gewünscht, es würde doch noch ein Wunder passieren. Ich weiß es nicht. Habe aufgehört  zu zählen.

Es ist frustrierend. Frustrierend in eine Stelle gestopft zu werden, in der man sich nicht wohl fühlt. Die einem nur ein bisschen Spaß macht. Frustrierend, dass über den eigenen Kopf hinweg entschieden wurde. Man kein Mitspracherecht hatte.

Einfach gemacht wurde und eine Entscheidung schon gefallen ist, bevor man überhaupt selber Rückmeldung geben konnte. Wäre diese Stelle ausgeschrieben gewesen, ich hätte eine Zusage wahrscheinlich, mit ziemlicher Sicherheit, abgelehnt und hätte weiter gesucht.

So sozial wie der soziale Bereich immer wirkt und tut ist er eigentlich nicht. Nicht immer. Harter Tobak, manchmal vielleicht sogar schlimmer als manch ein industrieller Betrieb. Wobei ich das nicht einschätzen oder vergleichen könnte. Ich hoffe auf ein Wunder. Immer noch. Wobei ich es bezweifle.

Vermutlich muss ich es dort aussitzen. Die Arschbacken zusammenzwicken und darauf warten, dass das Wetter besser wird. Wobei es momentan nicht danach aussieht, als würde da ein großartiger Wechsel vonstatten gehen. Spätestens in meinem Praxissemester habe ich allerdings ein Problem. Vorgabe ist nämlich, dass dort, wo das Praxissemester stattfindet, ein Sozialpädagoge  beschäftigt ist, der die Anleitung des Studenten (also von mir) übernimmt. Und das ist zwingend notwendig. In der jetztigen WG gibt es aber keinen einzigen….Macht mir ein wenig sorgen.

Jetzt bin ich dann allerdings froh, dass ich morgen frei habe. Die erste Woche Arbeit und Studium hat mich doch ein bisschen geschlaucht und auch Energie gekostet. Ich bin müde und schlapp. Leide an einem leichten Schlafdefiziet und dachte heute morgen, ich schlafe im sitzen ein.

Redbull sei dank konnte ich das aber noch ganz gut verhindern. Hoffentlich schwenkt das nicht wieder in die Richtung, dass Redbull zu meinem Hauptgetränk mutiert. Das wärs jetzt noch. Als würde es nicht genügen, dass ich schon ein Laster habe. Aber irgendwie muss ich mich ja über Wasser halten können. Mal schauen auf was das hinaus läuft. …

 

 

 

 

 

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