Festplatte überlastet

Was für ein Wochenende. Völlig verrückt, wenn ich es in meinen Worten ausdrücke. Am schlimmsten war, meiner Meinung nach, eigentlich der Sonntag. Was da wieder los war, glaubt mir kein Mensch.

Vor dem Horrorfreitag, wie der Freitag bei uns liebevoll genannt wird, bin ich glücklicherweise verschont worden. Aber eigentlich auch nur, weil ich von Donnerstag auf Freitag Nachtschicht hatte. Irgendwas gutes muss so eine Nachtschicht ja auch haben.

Wegen Krankheitsausfällen musste ich Samstag bereits um 8 Uhr zum Dienst antreten um die Nacht abzulösen. Denn die Kollegin musste ihren Zug erreichen. Hätte sie die Nacht nich übernommen, tja, dann hätten sich die Bewohner wohl selbst betreuen müssen.

Völlig übermüdet, gurkte ich also Samstag vormittag in die Arbeit. Sohnemann der Obendrüberbewohner hat ne Geburtstagssause, bis Nachts um 2, abgehalten. An erholsamen Schlaf war also nicht zu denken.

Um es kurz zusammen zu fassen, war schon der Samstag nicht ganz stressfrei. Obwohl vier Mitarbeiter im Dienst waren, war es  in einer Tour, nur gerenne und gehetze. Satt und Sauber, check. Freizeitgestaltunt im großen Stiel, fehlanzeige. Um es auf den Punkt zu bringen: Zu viele Bewohner am WE zu Hause, zu wenige Mitarbeiter im Dienst. Einer der vier Mitarbeiter eigentlich noch in der Einarbeitung.

Nachmittags musste ich noch kurz weg, mir die WG kurz ansehen die für meine Versetzung vorgesehen ist. Schnappte mir entsprechend zwei Bewohner und war dann erst mal unterwegs.

Die Krönung war dann aber wohl der Sonntag. Angefangen damit, dass ich, wegen Personalausfall, früher zum Dienst kam als ursprünglich geplant. Sonntag waren wir sogar nur mit drei Mittarbeitern ausgestatte. Eine massive Herausforderung, wenn man es so ausdrücken kann.

Wir gondelten also zwischen zwei stationären Bereichen plus dem ambulanten Bereich, zu dritt, hin und her. Eine zerreißprobe für alle.

Ich zeriss mich also zwischen Mittagessen kochen und den Bewohnern, die mir geblieben waren. Was zur folge hatte, dass Öl in der Pfanne anbrannte und eine massive Qualmentwicklung das Ergebnis.

Obwohl ich sofort handelte und die Pfanne nach draußen verfrachtete, wurde der Feueralarm ausgelöst. Und innerhalb weniger Minuten standen vier Einsatzwägen vor dem Haus. Herzlichen Glückwunsch. Das musste jetzt sein.

Entwarnung an und durch die Feuerwehr. Alles in allem dennoch gut 20 Minuten Zeit in Anspruch genommen. Woraus resultierte, dass ich eine ganze Weile, schimpfend und meckernd, durch die WG hüpfte, beschloss mich in den Wald zu setzten und nie wieder zu kochen. Stresslevel wohl etwas überschritten.

Nach der ganzen Feuerwehraktion ging der Trubel aber noch weiter. Als wäre das nicht schon genug gewesen, dass ich den Feueralarm mit einer qualmenden Pfanne auslöste, schien eine Bewohnerin völlig mit der Gesamtsituation überfordert zu sein.

Aus dem Nichts heraus konnte man, aus dem ersten Stock, lautes geschrei und gebrüll ausmachen. Völlig hysterisch und wenn man es nicht besser wüsste, hätte man gerade glauben können, es wird jemand abgeschlachtet.

Kurz nach dem der hysterischen Anfall ausbrach wurde ich, von einer völlig aufgelösten Kollegin, dazu geholt. Hätte die Bewohnerin, angeblich, einen epileptischen Anfall und sie wisse nicht wo die Notfallmedis seien. Mir kam das allerdings ziemlich spanisch vor, war die Bewohnerin seit über 10 Jahren anfallsfrei und gut eingestellt. War vor kurzem sogar beim Neurologen, wo nichts auffällig war.

Ich fand eine Bewohnerin auf, die hysterisch brüllend auf dem Boden lag. Die Kollegin redete beruhigend auf sie ein. Was allerdings keinen Erfolg zu haben schien. Innerhalb von Sekunden schaltete ich in eine Art Tunnelmodus, in der nichts mehr an mich heran zu dringen schien, eine massive innere Ruhe in mich kehrt und jeder Handgriff zu sitzen schien, bis die Situation entschärft war. Bis die Bedarfsmedikation eben wirkte. Danach wurde ich hysterisch.

Meiner Einschätzung zu folge, handelte es sich, bei dem Anfall der Bewohnerin, nicht um einen epileptischen Anfall. Eher um eine Mischung aus Psychose und Panikattake. Auslöser könnte überforderung gewesen sein, mit der die Bewohnerin nicht mehr umzugehen wusste. Allerdings bin ich kein Arzt und es handelt sich dabei tatsache nur um einen Verdacht bzw. eine Vermutung.

Nach diesem Tag und einem Telefonat mit der Mutter der ausgeflippten Bewohnerin, war ich völlig fertig. Zum Glück, muss ich gestehen, ist die Mutter recht entspannt in solchen Dingen. Schien sogar der selben Meinung wie ich zu sein. Nochmal Glück gehabt.

Festplatte trotzdem voll. Kein Klaren Gedanken mehr fassend, schlurfte ich nach Hause. Gut 30 Minuten nachdem ich zu Hause war, die nächste Botschaft. Nächster Kollege krank. Ob ich die Frühschicht machen kann. So wurde also aus einer 7 Tage Woche, ganz schnell, eine 9 Tage Woche….

 

 

 

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