Über einen Kamm geschoren.

Dieser eine Beitrag, den ich auf Facebook in einer Gruppe gelesen habe und die dazugehörigen Komentare, lassen mir keine Ruhe mehr. Nicht das es mich belasten würde. Aber es beschäftigt mich. Es lässt mich nicht mehr los und mir schießen Gedanken durch den Kopf, die ich einfach irgendwie loswerden muss.

Wie irgendwie überall üblich, wird geschimpft, gejammert und rumgeheult. Manchmal hat man sogar das Gefühl, die Realität ist völlig ausgelaufen und nicht mehr vorhanden. Diskutiert wurde das Thema Pflege. Pflege  in Bezug auf des Berufsfeld HEP.

Beim lesen der Kommentare musste ich mich, leider Gottes, ein wenig aufregen. Und während ich mich aufregte, kamen mir diverse Gedanken. Gedanken darüber ob die Verfasser der Beiträge überhaupt verstanden haben, was der Auftrag eines HEPs ist. Verstanden haben, welchen unterschied es zwischen Behandlungspflege und Grundpflege gibt. Ob ihnen das jemals jemand gesagt hat? Oder haben die armen Seelen es wirklich einfach nur nicht verstanden?

Im großen und ganzen wurden, im Grunde, die HEPer mit den Pflegekräften über einen Kamm geschoren. Das große gejammer war vorprogrammiert. Im großen Stiel wurde sich darüber ausgelassen, dass es dirngend nötig ist, dass auch HEPer Pflege machen. Dringend nötig ist, dass auch HEPer als Pflegekräfte anerkannt werden. Dringend nötig, dass sich HEPer im dritten Jahr entscheiden müssen welchen Schwerpunkt sie haben wollen, Pflege oder Pädagogik.

Aber wozu? Der HEP ist eine (Sonder)pädagogische Fachkraft in der Eingliederungshilfe. Wozu brauche ich, in der Eingliederungshilfe, eine so umfangreiche medizienische Ausbildung wie es z.B. eine Pflegefrachkraft hat? Natürlich setzte ich gewissen medizienische Kenntnisse voraus. Aus Gründen der Vorbeugung und der ergreifung Ersthelferischer Maßnahmen. Keine Frage. Auch setzte ich voraus, dass jedem irgendwo klar ist, was Körperhygiene und Körperpflege bedeutet.

Aber muss ich als HEP tatsächlich wissen, wie ich eine Trachialkanüle richtig setzte? Muss ich das wirklich? Muss der Schwerpunkt tatsächlich neu gesetzt werden? Eigentlich ist der Schwerpunkt doch bereits gegeben. Schwerpunkt Pädagoge. Schwerpunkt Eingliederungshilfe bzw. Wiedereingliederung. Der HEP hat doch bereits einen Schwerpunkt.

Warum hängt man sich nun nur so sehr am Thema Pflege auf? Daran, dass ich Behandlungspflege (medizinische Notwendigkeit) nicht machen darf. Mal abgesehen davon, dass bestimmte Dinge gemacht werden dürfen, wenn eine entsprechende Ein- oder Unterweisung stattgefunden hat?  Grundpflege steht da außer frage, denn das darf man ja. Wo liegt das Problem?

Wenn es jemandem so schwer fällt, sich damit abzufinden, nur Grundpflege zu machen weil der Schwerpunkt einfach auf der Eingliederung, also auf dem Pädagogischen liegt, warum habe ich dann diesen Beruf ergriffen? Weil die Behinderten alle immer so lieg guggen oder was? Wozu will man denn jetzt, ganz plötzlich, den HEP von seinem Tätigkeitsfeld verändern? Hätte man sich ja auch vorher überlegen können. Sich für Krankenschwester under Altenpfleger entscheiden können.

Überlegen wir mal weiter. Wir könnten natürlich alle über einen Kamm scheren. Dann gibts nur noch eine Berufsgruppe, die alles machen darf. Pädagogisch arbeiten und medizinisch. Alles in allem zusammen gepackt in eine Berufsgruppe. Fertig. Bumms. Ende. Keiner hat mehr ein Fachgebiet das er besonders gut kann. Jeder macht einfach alles.

Zum einen vermute ich, würde man genau das machen, würden bestimmte Aspekte unter gehen. Nur noch halbherzig und larifarie erledigt werden. Wenn nciht sogar bestimmte Punkte völlig vernachlässigt oder sogar untergehen würden.

Alle kennen sich dann nur noch oberflächlich aus. Keiner kennt einen bestimmten Bereich besonders gut. Man weiß alles nur noch halb. Ist sich vermutlich nicht mehr ganz sicher. Und wenn sich jetzt alle nur noch halb sicher sind und keiner mehr tiefer mit bestimmten Bereichen vertraut ist, wen frage ich dann noch um sicher zu gehen? Kennt sich ja keiner mehr genauer aus.

Vermutlich würde sich die Ausbildungszeit zusätzlich auch noch verlängern. Und sind wir mal ehrlich, wer macht den Job dann noch? Wer hat denn dann noch groß Lust, eine Ausbildung zu absolvieren die, meinetwegen, 6 Jahre dauert und das ohne Vorpraktikum? Um letztlich dann auch noch schlecht bezahlt zu werden? Besser bezahlt wird man dadurch vermutlich dann auch nicht.

Es gibt dann bestimmt genügend, die sich dann dagegen entscheiden und direkt studieren gehen. Kommt im Grunde aufs selbe raus. Dann gibt es nur noch Denker und Dichter. Und wer druckt es dann? Keiner mehr. Da bringen uns dann auch die Denker und Dichter nichts mehr.

Zusammengefasst muss ich sagen, ich bin zufrieden mit dem was ich tue. Ich muss nicht gezwungenermaßen Behandlungspflege machen. Mal davon abgesehen, dass ich ganz froh drum bin nicht für alles Verantwortung übernehmen zu müssen. Aufgaben auch an andere Berufsgruppen abgeben kann.

Des weiteren habe ich mich ja bewusst dazu entschieden in einen sozialen Beruf zu gehen, der seinen Schwerpunkt auf dem Pädagogischen hat. Denn war meine intension, dass ich Menschen mit Behinderung in ihrem Häuslichen Umfeld im Alltag unterstützen wollte. Und es auch immer noch will. Sie dabei unterstützen möchte Anschluss an die Gesellschaft zu haben und ihr Leben bestreiten zu können.

Für mich stand immer außer Frage, dass ich mehr als nur Grundpflege mache. Habe ich auch nicht das Bedürfnis danach. Denn sonst wäre ich Krankenschwester geworden. Was ich aber nicht geworden bin, da ich es, ehrlich gesagt nicht gerade damit habe mit Eiter oder offenen Verletzungen in Kontakt zu kommen. Geschweigedenn in irgendwelchen Öffnungen rumzupopeln oder Nadeln irgendwo hineinzujagen. Verursacht sowas bei mir massives unwohlsein. Und ich bin froh das nicht machen zu müssen.

Bin außerdem auch froh, dass von mir nicht erwartet wird, jemandem einen subkutanen Zugang für eine Infusion zu legen. Weil ich nicht die entsprechende Fachkraft dafür bin. Kann mich also dagegen verwehren. Wäre ich jetzt eine Pflegefachkraft, würde man einfach erwarten das ich es kann und auch mache. Würde vermutlich sogar meinen Fachkraftstatus anzweifeln, wenn ich mich weigere den Zugang zu legen.

Ich halte nichts davon, dem HEP jetzt auch noch den Pflegefachkraftstatus aufzustempeln. Zu viele Köche verderben den Brei. Mal davon abgesehen werde ich wohl nicht die Einzige sein, die sich aus persönlichen Gründen, für Pädagogik entscheiden und gegen die ganze medizinisch/pflegerische Behandlung bzw. Arbeiten.

Jeder hat doch seine Stärken und seine Bereiche die ihm besser liegen. Warum muss ich dann, auf einmal, alles über einen Kamm klatschen. Warum entscheide ich mich für einen Beruf, wenn mir das so nicht passt wie es ist? Als gäbe es nicht genügend andere Möglichkeiten.

Und sollte doch mal der Fall x eintreten, dass es notwendig wird bestimmte behandlungspflegerische Tätigkeiten zu übernehmen, gibt es immer noch die Möglichkeit einer Unterweisung durch den Arzt oder Fortbildungen. Fallbezogen wäre das also beinahe sogar besser, genau über diesen Fall bescheid zu wissen, als über fünf nur ganz grob um dann 2 von 5 unterschiedlichen Fällen durchzuführen.

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Ein Gedanke zu “Über einen Kamm geschoren.

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